Archive for August 2012

Wach sein

Zen-Meister Zuigan Shigen pflegte jeden Morgen in den Spiegel zu schauen und laut zu fragen: „Meister, bist du wach?“ Er nickte sich zu und antwortete: „Ja.“ „Lass dich zu keiner Zeit von irgendjemandem täuschen“, ermahnte sich Zuigan. Dann nickte er seinem Spiegelbild zu und sagte: ..Nein, Meister.“

Eigentlich ist das schon fast alles, was wir brauchen, um jeden Tag zu bestehen.

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Abendlied

Diese Nacht konnte ich einen prächtigen Mond am Nachthimmel bewundern. Da erinnerte ich mich an das wunderschöne Abendlied von Matthias Claudius:

1. Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

2. Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

3. Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

4. Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

5. Gott, laß uns dein Heil schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

6. Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

7. So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!

Matthias Claudius (wahrscheinlich 1778 geschrieben)

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Spiritualität

Religiös ist, wer an die Hölle glaubt; spirituell ist, wer durch die Hölle gegangen ist.

Amerikanischer Obdachloser

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Ein Vogel lag auf dem Rücken und hielt beide Beine starr gegen den Himmel gestreckt. Ein anderer Vogel kam vorüber und fragte verwundert: „Warum liegst Du denn so da?“ Da antwortete der erste Vogel:“Ich trage den Himmel mit meinen Beinen. Wenn ich die Beine anziehen würde, würde der Himmel herabstürzen!“

Da löste sich ein Blatt von der nahen Eiche und fiel leise zur Erde. Darob erschrak der Vogel so sehr, dass er sich eilig aufrichtete und spornstreichs davonflog.

Der Himmel aber blieb an seinem Ort.

Alte Fabel

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