Archive for the ‘Texte’ Category

“Sag´ mir, was wiegt eine Schneeflocke”, fragte der rote Vogel die Taube. “Nicht mehr als ein Nichts”, gab sie zur Antwort. “Dann muss ich dir eine Geschichte erzählen: Ich saß auf dem Ast einer Fichte, dicht am Stamm, als es zu schneien anfing; nicht etwa heftig im Sturmgebraus, nein, wie im Traum, lautlos und ohne Schwere. Da nichts Besseres zu tun war, zählte ich die Schneeflocken, die auf die Zweige und auf die Nadeln fielen und darauf hängen blieben. Genau 3.741.952 waren es. Und als die 3.741.953 Flocke niederfiel, nicht mehr als ein Nichts, brach der Ast ab.” Damit flog der rote Vogel davon. Die Taube, seit Noahs Zeiten eine Spezialistin in dieser Frage, sagte zu sich leise: “Vielleicht fehlt nur eines einzelnen Menschen Stimme zum Frieden der Welt.”

Der Ursprung dieser wunderschönen Metapher ist unbekannt.

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Timbuktu

26. Dezember 2004: ich sass mit Baly und zwei Begleitern in Gao, Mali, in einem Restaurant (vgl. Bild). Wir waren auf dem Weg nach Timbuktu; am nächsten Tag suchten wir eine Pinasse, um auf dem Niger durch die Wüste bis nach Korioumé, dem Hafen von Timbuktu, zu fahren. Wie in Afrika an vielen Orten üblich, flimmerte in diesem Restaurant ein Fernseher im Hintergrund – und da sahen wir die furchtbaren Bilder vom Tsunami. Nie werde ich das vergessen.

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Man nehme eine reife Banane, schäle sie und schneide oder breche sie in ein paar Stücke. Danach ab mit der Banane in den Tiefkühler.

Nun kann man gemütlich einen Hundespaziergang machen, Tatort schauen, Meditieren, einen Brief schreiben oder was auch immer.

Sobald die Banane ganz fest durchgefroren ist, in den Mixer mit ihr und schon hat man das einfachste und gesündeste Soft Ice der Welt.

Und das ohne Rahm oder Milch, und somit ohne die Tränen einer Kuh, der man das Junge weggenommen hat, damit wir an ihre Milch kommen!

Das Rezept funktioniert wirklich; ich habe es zuerst auch kaum glauben können.

Genuss pur!

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„Meine vielen Tränen sollen nicht verdunsten, sondern zu rettenden Oasen in der Wüste anderer werden.“

Im Sinne dieses Zitates aus meinem Buch „Neuland“ gründe ich morgen meine Sangha in Horw.

Ich freue mich darauf, das Geschenk der Achtsamkeitsmeditation in der Tradition von Thich Nhat Hanh, so wie ich es erfahren durfte und darf, weitergeben zu können. Interessierte sind herzlich Willkommen und melden sich bitte für weitere Informationen bei mir.

Infos unter: Sangha Horw

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Pause

Ich habe eine Gewohnheit entwickelt, die mein Leben verändert hat.

Die Pause.

Wenn wir Fehler machen, dann deshalb, weil wir ohne nachzudenken einem Drang folgen – wir merken es meist nicht einmal. Wir haben Lust Junkfood zu essen, und wir tun es. Wir haben den dringenden Wunsch, die Emails zu checken, statt ein Kapitel unseres Buches zu schreiben und deshalb öffnen wir die Inbox. Wir verspüren den inneren Drang zu rauchen, Alkohol zu trinken, Drogen zu nehmen, an unseren Fingernägeln zu kauen, ein Facebook-Spiel zu spielen, etwas aufzuschieben, eines der Fitnesstrainings auszulassen, mehr Pommes zu essen, zu kritisieren, aus Eifersucht oder Wut zu handeln, grob zu sein … und wir folgen diesem Drang.

Was wäre aber, wenn wir lernen würden, bei jedem dieser dringenden Impulse zu pausieren? Was wäre, wenn wir innehalten könnten und genau darauf achten, wie es sich in unserem Körper anfühlt – ohne sogleich zu handeln?

Der Drang würde uns nicht kontrollieren. Wir wären in der Lage, bewusste Entscheidungen zu treffen, die gesünder für uns sein könnten und uns helfen, glücklicher zu sein.

Wenn wir innehalten können, schaffen wir Raum. Raum, um zu atmen, nachzudenken, nicht zu handeln.

Die Pause ist die Antwort auf so viele unserer Probleme. So etwas Kleines, aber so wirkungsvoll.

Um die Pause zu entwickeln, achte auf deinen nächsten Drang. Ist es der Drang im Internet zu surfen? Oder etwas zu essen, von dem du weißt, dass es nicht gesund für dich ist? Achte auf diesen Drang, lerne davon, soviel du kannst. Wenn du dann nach der Pause danach handelst, dann ist das in Ordnung. Du achtest darauf, pausierst und bist aufmerksam.

Und wiederhole das beim nächsten Drang, und beim nächsten. Mit Übung wirst du gut darin werden, und du wirst viele Möglichkeiten der Übung haben.

Immer wieder wird ein neuer Drang kommen, aber deine Fähigkeit innezuhalten wird stärker werden. Und wenn du pausieren kannst, dann wird dir das bei allem, was du tust, helfen.

Leo Babauta

 

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Ein Mann wurde von einem Tiger gejagt. Voller Verzweiflung stürzte er sich in einen felsigen Abhang und konnte sich gerade noch an einer Baumwurzel festhalten. Er war dem Tiger entgangen, doch dann entdeckte er unter sich einen anderen Tiger am Ende des Abhanges, der nur auf den Sturz des Mannes wartete. Und zwei Mäuse begannen zu allem Überfluss noch, an der Wurzel zu nagen. Da entdeckte der Mann eine leuchtend rote Erdbeere. Mit der einen Hand an der Wurzel, pflückte er mit der anderen die Frucht – und ass sie. Sie war köstlich!

Zen-Legende

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Du fragst mich, ob der Tod das Tor zum Paradies sei. Hier mein Versuch einer Antwort:

Das Annehmen der Unabänderlichkeit des Todes ist für mich kein Resignieren. Es hindert mich nicht daran, mein Leben voll zu leben. Im Gegenteil: das Wissen darum, dass meine Zeit begrenzt ist, macht mich unabhängiger von den Dogmen anderer. Ich will meine mir geschenkte Zeit nicht verschwenden und mich nicht von der Meinung anderer beeinflussen lassen.

Das Wissen um meine eigene Endlichkeit zeigt mir, dass ich überhaupt nichts zu verlieren habe. Dieses Wissen gibt mir das Vertrauen, auf mein Herz zu hören und neugierig zu bleiben. Es ist für mich ein Geschenk und die Grundlage meines Entscheides, ein volles Leben leben zu wollen und mich immer wieder überraschen zu lassen:

laut lachen, ohne mich zu genieren;

an das Gute glauben und keine Angst haben, für naiv gehalten zu werden;

lieben und das Risiko eingehen, Schmerz zu erleiden;

vieles weniger ernst nehmen und mich trauen, für oberflächlich gehalten zu werden;

reisen, anstatt mich befördern zu lassen;

barfuss laufen und die Erde spüren;

vor Freude aber auch aus Trauer weinen und gleichgültig darüber sein, als sentimental zu gelten.

Ein solch volles Leben ist für mich das Paradies im hier und jetzt. Für mich ist der Tod nicht das Tor zum ersehnten, sondern der Wegweiser zum gegenwärtigen Paradies!

Zitat aus meinem in Kürze erscheinenden Buch „Neuland – Durch die Wüste zu mir selbst“

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