Posts Tagged ‘Vergänglichkeit’

„Nicht die Vergänglichkeit ist leidvoll. Wir wünschen uns Dauerhaftigkeit bei Dingen, die nicht dauerhaft sind, und daran leiden wir. Die Vergänglichkeit lehrt uns, jeden Augenblick und alle Kostbarkeit um uns und in uns zu achten und wertzuschätzen.“
Thich Nhat Hanh
Genau vier Wochen ist es her, dass ich aus heiterem Himmel und unerwartet mit der tödlichen Krankheit von Baly, meinem vierpfotigen Kameraden, konfrontiert wurde. Man sagte mir damals, er habe bloss noch einige wenige Tage zu leben.
Wie viele Tränen habe ich seither vergossen:
Tränen des Schmerzes
Tränen der Angst
Tränen der Traurigkeit
Tränen der Verzweiflung
Tränen der Ungewissheit
Dann endlich:
Tränen der Freude
Tränen der Zuversicht
Tränen der Rührung
Tränen der Dankbarkeit
Tränen der Liebe und Zärtlichkeit
Ich weiss: Baly ist „bloss“ ein Hund. Für mich ist er aber ein Lebewesen mit einer Seele (wie übrigens alle Tiere), ein treuer Begleiter, ein zuverlässiger Freund – ich weiss die Dankbarkeit über all die Freude, die er mir geschenkt hat, nicht auszudrücken.
Sein Grossmut geht soweit, dass er mich  sogar zu seinem Nachfolgerli geführt hat. Er heisst Kibo, ist ein 14-wöchiger schwarzer Grosspudelwelpe und gehört nun seit 10 Tagen zu unserem „Rudel“.
Ja; Baly hat sich wider jede ärztliche Prognose aufgerappelt (an Auffahrt hatte er zwar wieder eine schwere Krankheits-Attacke und musste ins Spital) und kann das Leben immer noch geniessen. Er ist zwar jetzt wirklich sehr schnell müde – gestern hat er aber sogar begonnen, den Welpen zum Spielen aufzufordern, hat ihm den Stecken gestohlen und ist damit davongerannt, hat sich im hohen Gras (nein, nein: kein Landwirtschaftsgras!) genüsslich gewälzt, hat nach Mäusen gegraben – hat über sein ganzes Gesichtlein gestrahlt.
Bewusst geniesse ich jeden Moment, den er noch bei uns ist – immer im Wissen, dass jeder Tag sein letzter sein kann. Und damit lehrt er mich gerade noch eine weitere Lektion:
Ich übe mich darin, wach zu sein, die Vergänglichkeit aller Tage deutlich vor Augen zu haben – dies aber ohne den bitteren Druck , der beispielsweise – wie jetzt bei Baly – durch eine tödliche Krankheit entsteht.
Danke, Baly!

 

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